Einst von den Sikelern, einen traditionsbewussten Seefahrervolk, an der Ostküste Siziliens gegründet, liegt die Stadt Taormina. Mit einer Fläche von 13km² und einer Einwohnerzahl von etwa 10900 ist die malerische Stadt ein begehrter Touristenpunkt.
Hierbei steht im Interesse der Reisenden der Besuch des antiken Theaters, das nach Syrakus das zweitgrößte auf Sizilien ist. Das Teatro di Greco wurde ursprünglich im 2. Jahrhundert v. Christus von den Römern erbaut, aber von den Griechen im 3. Jahrhundert überbaut und vergrößert. Ursprünglich zur Darstellung von künstlerischen Auftritten gedacht, fanden dort vor der malerischen Kulisse des Ätnas auch zahlreiche beliebte Gladiatorenkämpfe statt. Die Ausrichtung gen Süden sowie die in einen Hang integrierten Sitzplätze zeigen deutliche Spuren der griechischen Architektur.
Bezeichnend für den römischen Baustil sind hingegen freistehende Bauten und die bauliche Ausrichtung gen Nordosten, wie anhand des kleineren Theaters Odeon deutlich wird. Der Besucher findet in Anlehnung an das Theatro Greco im angrenzenden Museum einige interessante archäologische Exponate.
Neben den antiken Theatern erinnern auch die zahlreichen Kirchen der Stadt Taormina an vergangene Zeiten. Der Dom San Nicolo entstammt der Bauzeit des 15. Jahrhunderts, und wurde auf dem Fundament zweier kleineren Kirchen errichtet. Die Epochen des Barock sowie des Renaissance Stils werden dem Betrachter beim Betreten des Hauptportals, sowie dem auf dem Vorplatz des Domes befindlichen Brunnens deutlich. Interessant ist hier die Darstellung des Stierkörpers, der den Berg Monte Tauro symbolisiert, sowie der Centauressa, die mit Erdkugel und Zepter dargestellt wird. Die Centauressa, ein dem griechischen Zentauren gleichzusetzendes Wesen aus Frauenkörper und Pferdeleib findet sich auch im Stadtwappen, und findet hier Anlehnung an die Einflüsse der Griechen.
Die Kirche San Agostino, ein im spätgotischen Stil errichtetes Bauwerk, beherbergt heute die Gemeindebibliothek. Zu Ehren des Schutzpatron und Märtyrers Pankratius wurde im 16. Jahrhundert auf den Ruinen eines griechischen Tempels die barocke Kirche San Pancrazio erbaut. Die Santa Caterina Kirche, in unmittelbarer Nähe des kleinen Theaters Odeon gelegen, wurde im 17. Jahrhundert zu Ehren der Heiligen Katharina von Alexandrien erbaut, und beherzigt eine sehenswerte Krypta, die beim Besucher Ehrfurcht erweckt. Das jüngste religiöse Bauwerk - die Sant George Kirche - wurde 1920 errichtet, und beeindruckt durch ihre faszinierende Glasmalerei über dem Altar.
Das Zentrum von Taormina weist auch heute noch die damals üblichen Befestigungsringe auf, die die Stadt vor Überfällen sichern sollten. Im Mittelpunkt des Geschehens steht hier die Fußgängerzone, die sich auf einer Länge von etwa 1,5 km zwischen den Stadttoren entlang zieht. Hier findet der Tourist eine Vielzahl an reizender Souvenierläden, Cafes und Restaurants. Auch die herrschaftlichen Palazzos kann sich der Interessierte hier betrachten. Die einzelnen Palästen dienten einst Adelsfamilien und Staatshäuptern als Residenz, und finden heutzutage Verwendung als Touristeninformationsstelle, Kulturzentren oder wie der Palazzo Duca di Santa Stefano als Stiftungsstätte.
Die malerische Landschaft und die einmalige Kulisse des aktiven Vulkans Ätna zeichnet diesen beliebten Ort aus. Aufgrund des milden Klimas ist auch ein Besuch in den Wintermonaten möglich, da sich die Temperaturen zumeist um die 10° Grad bewegen. Taormina ist aufgrund der historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten eine Reise wert, und verspricht aufgrund der Natürlichkeit und Herzlichkeit der Einheimischen unvergessliche Tage. Nicht umsonst widmete Johann Wolfgang von Goethe dieser Region einige aussagekräftigen Zeilen in seinem Meisterwerk der Italienischen Reise.
Text von Claudia Schleicher
