An der Süd- Ost Küste Siziliens gelegen findet man die Stadt Syrakus sowie ihre gleichnamige Provinz, die sich auf eine Gesamtfläche von 204 km² erstreckt, und 123000 Einwohner zählt. Im Mündungsbereich der Flüsse Anapo und Ciane gelegen, findet man den Altstadtkern auf der Insel Ortygia, die über die Brücke Ponte Nuovo zu erreichen ist.
Die mächtigste Stadt der Antike blickt auf eine Gründung durch griechische Siedler 734 v. Christus zurück, und spielte eine durchaus mächtige wirtschaftliche und kulturelle Rolle. Zu den Gönnern dieser Antikepoche zählte auch der bekannte Mathematiker und Physiker Archimedes.
Weder die griechischen Wurzeln, noch die damalige Übernahme durch die Araber lassen sich im heutigen Stadtbild leugnen, wobei der barocke Einfluss überwiegt. Durch die Vereinigung mit Italien wurde Syrakus 1865 zur eigenen Provinz erklärt, und ist heute aufgrund der zentralen Erreichbarkeit ein wichtiger Industriestandort sowie ein unverzichtbarer Handelsplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse von Sizilien. Aufgrund der attraktiven und historischen Altstadt mit ihrer geschichtlich interessanten Nuance, belebt ein stetig wachsender Tourismus das Stadtbild Syrakus.
Auch heute ist der beliebteste Anziehungspunkt der sagenumwobene Brunnen Fronte Aretussa dessen Ursprung eine Süßwasserquelle im Herzen der Insel ist. Die griechische Göttin Artemis verwandelte laut der Sage einst eine Nymphe in diese Quelle, um sie vor ihren Jägern zu schützen. Die Unbeständigkeit und das nicht fassbare des Wasser schützten sie so vor Angriffen. Daher erhielt das Wasser in Syrakus eine Symbolträchtigkeit und schützte die Einwohner vor feindlichen Angriffen. Auf dem Piazza di Archimedes findet man neben diesen Brunnen, auch zahlreiche, wunderschöne Bauwerke barocker Architektur, zu denen das ehemalige Benediktinerkloster zählt, dass heute in seinem Inneren ein Museum mit interessanten Exponaten beherbergt.
Die Alagoniana Bibliothek bietet dem Interessierten eine umfangreiche Sammlung an Handschriften vergangener Eroberer und Herrscher. Das Fundament und die teilweise erhaltenen dorischen Säulen des ältesten griechischen Tempels auf Sizilien sind ebenfalls sehenswert. Verbinden lässt sich dieser Ausflug in die griechische Vergangenheit gut mit einem Besuch des Tempels der Athene, der allerdings heute im typisch sizilianischen Barockstil restauriert wurde, und nun als Dom Santa Maria zu Ehren der Heiligen Maria agiert. Besonders sehenswert ist hier die 4m hohe Statue der Heiligen Lucia, die anlässlich der zu ihren Ehren jährlich stattfindenden Prozession im Dezember durch die Gassen der Altstadt getragen wird. Der Besuch der größten Wallfahrtskirche Siziliens, der Santuario della Madonna in der Neustadt, ist ebenfalls ein unbedingtes Muss und wartet mit seinen eigenen Mythos auf
Durch die Ausweitung Syrakus auf das angrenzende Festland, umfasst der Ort heute 5 Stadtteile. Der historisch beeindruckendste Stadtteil ist das antike Neapolis. Hier wurde ein archäologischer Park errichtet, der dem antiken Teatro Greco einen ehrenvoll Platz gebietet. Das größte griechische Theater wurde im 6. Jahrhundert v. Christus erbaut, und befindet sich in unmittelbarer Nähe der historischen Tempelanlage Hierons, an dessen 200m langen westlich ausgerichteten Altar ihm zu Ehren jährlich ein blutiges Spektakel statt fand. Sehenswert ist auch das römische Amphitheater, dass die Liebe der Römer zur Darstellung spektakulärer Seeschlachteninszenierungen wiederspiegelt.
Welch meisterliche Handwerkskunst und unvorstellbarer Kraft es bedarf, um diese Bauten zu errichten, wird dem Besucher anhand der Steinbrüche Latomia dei Cappuccini dargestellt. Hier ist auch eine Besichtigung der künstlichen Höhle des Ohr Dionysios möglich. Syrakus ist ein unerschöpflicher Quell an historischer Bewandtnis, der es Wert ist, entdeckt zu werden. .
Text von Claudia Schleicher
