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Selinunte

Die Stadt Selinunte ist ein Zeitzeuge einer längst vergangener Zeit. In der sizilianischen Provinz Trapani gelegen, bietet sie dem Besucher ein unvergessliches Schauspiel meisterhafter Tempelbauwerke in einer Kulisse, die nur die Natur bieten kann.

Die unmittelbare Nähe zum Mittelmeer und die mediterrane Vegetation ermöglichen dem Besucher das geistige Eintauchen in eine Welt, die von Göttern und Helden erzählt. Die griechische Stadt wurde 628 v. Christus von den Dorern gegründet, und war die wohl reichste, westlich gelegene Kolonie der Griechen. Der fruchtbare Boden, der optimiert war für Getreideanbau sowie die unmittelbare Nähe zur Küste sorgten für einen steten Wachstum seinerzeit.

Lange Zeit galt Selinunte als karthagischer Verbündeter und Sympathieträger der Phönizier, bis die Einwohner im Verlauf des peloponnesischen Krieges, den Athen 415 v. Christus gegen Syrakus führte, die sizilianische Stadt Segestas verwüsteten. Man vermutet es war der Zorn der Karthager, der sie 409 v. Chr. dazu veranlasste, das einstige Bündnis zu lösen und Selinunte in einem blutigen Schauspiel zu zerstören. Nach der Kontrolle der Karthager, auch Phönizier genannt, bauten Griechen die Stadt wieder auf, bis sie Opfer des Punischen Krieges wurde.

Was mag dem Besucher in dieser faszinierenden Tempelkulisse durch den Kopf gehen, wenn er von der rauhen Vergangenheit weiß? So grausam und hart das damalige Leben auch war, dem Reisenden wird hier auch die Hoffnung und der Glaube des damaligen Volkes deutlich. Zu Ehren der Götter wurden diese Anlagen erbaut, und Selinunte ist ein unvergleichliches sowie auch ungewöhnliches Meisterwerk griechischer Architektur.

So widerspricht die gleichmäßige Anlegung der Straßen dem gängigen Baustil der griechischen Einwanderer. Auch die Abstände der einzelnen Bauwerke sind nicht nach Zufallsprinzip platziert, sondern exakt vermessen. Durch Erdbeben und Vandalismus sind die Tempel Selinunts bereits seit Jahrhunderten zerstört, wurden aber teilweise restauriert, um der Nachwelt eine lebendige Geschichte zu präsentieren.

Die dominierende, erhöht platzierte Akropolis mit ihren vier Tempeln findet man in jeder griechischen Stadt, und diente meist als Verteidigungspunkt. Jedoch hat die Akropolis auch einen Status, der als Heiligtum angesehen werden kann. Auf ihren Vorplätzen, die in Selinunte sehr gut erhalten sind, fanden Rituale und heilige Zelebrierungen statt.

Man findet neben der Akropolis zahlreiche Ruinen punischer Behausungen. Die vermutlich Hera geweihte Tempelstätte sowie 12 andere Tempel findet man östlich der Akropolis platziert. Westlich in der Antikstadt findet man die Heiligtümer des Demeter Malophoros aus dem 6. Jahrhundert v.Chr. sowie eine Nekropole. Nekropolen sind die Begräbnisstätten der damaligen Zeit und finden sich stets außerhalb des Stadtkerns. Im Laufe der Ausgrabungen, die bis heute andauern, fand man zahlreiche Fundstücke und Artefakte, die man heute im Regionale die Museo in Palermo betrachten kann.

Um die enormen Bauleistungen der Stadtgründer besser verstehen zu können, lohnt sich ein Besuch des antiken Steinbruchs Cave di Cusa, der sich in der Nähe der Tempelstadt befindet. Dem Besucher zeigen sich hier Welten, die die Vorstellungskraft der menschlichen Möglichkeiten und Leistungen erweitern und sprengen.

Text von Claudia Schleicher