Das Tal der Tempel kann man als das Wahrzeichen der Stadt Agrigento bezeichnen. Sie liegt an der Südküste Siziliens und ist zugleich Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Auf einem dreiseitigen steil abfallenden Felsplateau erbaut, ist die Provinz Heimat für 59000 Sizilianer, die eine Fläche von 244 km ² bewohnen. Einst von den Sikanern gegründet, weisen in Fels integrierte Gänge noch heute auf ihre Anwesenheit hin.
Agrigento vermag den Besucher aufgrund der im Vordergrund stehenden ehemaligen Tempelanlagen vielleicht etwas einfältig erscheinen, da hier der wesentliche Augenmerk der Stadt liegt. Aber auch die teilweise im orthodoxen Stil geprägte Altstadt, ist mit ihren Kirchen und der auf der höchsten Stelle des Girgenti Hügels errichteten Kathedrale sehenswert. Es wird vermutet, dass der archaische Tempel zu Ehren Zeus im 11. Jahrhundert zugunsten des Doms umgebaut wurde. Allerdings lassen sich diese Behauptungen nicht nachweisen. Der Grundriss der Kathedrale San Gerlando weist die Form eines lateinischen Kreuzes auf, und bewahrt die sterblichen Überreste des heiligen Gerlando auf. Diese Kirche weist typische Einflüsse der römischen Architektur auf, die sich in den Seitenportalen wiederspiegeln.
Etwa im Jahre 1200 wurde auf dem Fundament des Tempels der Athene die Kirche Sant Maria dei Greci errichtet. Sie spiegelt die typischen Merkmale der griechisch- orthodoxen Baukunst wieder, und verzaubert mit wunderbaren mittelalterlichen Fresken. Der Interessierte findet hier auch noch Säulenteile der ehemaligen Tempelanlage der Athene, deren Standort hier vermutet wird. Der Einfluss der Römer lässt sich ebenfalls in der bedeutenden Barockkirche St. Lorenzo nachweisen.
Prägend für diese Region sind jedoch die bereits erwähnten Tempelanlagen, die man außerhalb von Agrigento im archäologischen Nationalpark “Tal der Tempel” findet. Diese Tempel griechischen Ursprungs sind teilweise noch erhalten, teilweise wurden sie von Angreifern zerstört, oder anderweitig überbaut. Aufgrund gefundener Artefakte und ehemaligen, typischen Gaben zu Ehren der Götter kann man einige Objekte einwandfrei zuordnen. So findet sich in der strategisch angelegten Anlage der Heraklestempel, der ebenfalls im dorischen Baustil errichtet wurde wie der Dioskurentempel. Zu Ehren Hera erbaut findet der Reisende in der typischen Vegetation den nördlich ausgerichteten Heratempel, sowie den Tempio di Ercole, der zu Ehren Herkules errichtet wurde. Ferner komplementieren zahlreiche andere Bauwerke das Ensemble . Einen geradezu gigantischen Eindruck hinterlässt der nachgebaute Telamon. Das Abbild eines Riesen wurde damals gerne in Stein gemeißelt und diente als Stützträger für die Tempel. Der hier vorhandene Nachbau weist die einstige tatsächliche Größe von fast 8 Metern auf.
Die Erbauung der Tempel wird auf das Jahr 500 v. Christus datiert, und zeigt eine beeindruckende handwerkliche Meisterleistung, sowie den idealistischen Glaubenswert der damaligen Bewohner. Zurück versetzt in die Zeit der Götter und Mythen sind dem Besucher alle Möglichkeiten offen, eigene Vorstellungen vom Leben in der Antike entstehen zu lassen. Aufgrund der Offenheit der Bewohner kann der Reisende sein Bild mit ergreifenden Mythenerzählungen vervollständigen.
Text von Claudia Schleicher
